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Beiwagen B4D (Typ 65) Hintergrund
Eher widerwillig beugten sich die LVB einem Beschluss des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Danach sollte die Tschechoslowakei fortan alle Straßenbahnen für die DDR bauen. CKD in Prag fertigte bereits den Typ T3 für die Sowjetunion und viele weitere Ostblockstaaten. Er beruhte auf einer Lizenz des amerikanischen PCC-Wagens. Als Weiterentwicklung für die DDR entstand der Typ T4D, der ab 1969 nach Leipzig kam. Gebaut wurden 598 Triebwagen und 273 Beiwagen - Bis 1986! Damit stellt der Leipziger T4D die größte einheitliche Typenreihe im deutschsprachigen Raum dar. Die neuesten Serien erhielten nach der Wende eine Modernisierung; die ältesten Wagen wurden verschrottet oder nach Nordkorea verkauft. Technik
Die vierachsigen Drehgestellwagen stammen konstruktiv vom tschechischen Typ T3 ab. Sie erhielten abweichend eine geringere Breite von 2,20 Metern sowie die Möglichkeit des Beiwagenbetriebs.
Jedes Drehgestell besitzt einen Fahrmotor, der jeweils eine der beiden Achsen antreibt. Beide Motoren sind ständig parallel geschaltet. Die Antriebssteuerung erfolgt durch einen regelbaren Widerstand (Beschleuniger); beim Langsamfahren verheizt er die überschüssige Energie. Der Beschleuniger liegt mittig unter dem Wagenboden und sorgt für die charakteristischen Knallgeräusche beim Anfahren. Der Fahrer steuert den Wagen über ein Pedal mit fünf Anfahrstufen.
Dieser schon damals anachronistische Antrieb brachte natürlich Probleme: Um die Stromaufnahme zu begrenzen, bis die Stromversorgung verbessert war, mussten die beiden oberen Anfahrstufen blockiert werden.
Auch die Qualität der Tatras ließ zu wünschen übrig. Die Techniker überlegten sich viele Kniffe und Basteleien, um die Wagen zum Laufen zu bringen. Manches Problem bekamen sie erst später in den Griff, etwa die häufigen Getriebeschäden, die durch den Betrieb mit Beiwagen entstanden. Die störanfälligen Umformer der Beiwagen wurden entfernt, die Energieversorgung direkt vom Triebwagen übernommen. Der Beschleuniger litt unter Schnee, der besonders im Winter 78/79 durch die Lüftung eindrang und Kurzschlüsse verursachte. Erst engere Lüftergitter und neue Isolatoren lösten das Problem. Reihung
Die Tatrawagen fahren nicht nur in der Standardreihung Triebwagen+Beiwagen. Auch Solowagen und “Traktionen” (2 Triebwagen) kommen zum Einsatz.
Um die Kapazität und damit den Personalwirkungsgrad zu erhöhen, bildeten die LVB ab Ende 1970 Großzüge, die aus zwei Triebwagen und einem Beiwagen bestehen. Damit der zweite Stromabnehmer die Oberleitungskontakte für die Weichen nicht stört, liegt nur der vordere Bügel am Draht. Dazu wurde eine elektrische Verbindung zum zweiten Triebwagen geschaffen. Einsatz
Nach Präsentation auf der Frühjahrsmesse 1969 ging der erste Wagen in den Plandienst. Zuerst fuhren die Tatras auf den Linien 17 und 27, und bis Mitte der 80er Jahre übernahmen sie fast das ganze LVB-Netz. Nach der Wende begann ihr Stern langsam zu sinken: Stilllegungen und neue Niederflurzüge machten sie Zug um Zug entbehrlich. Mit der Einführung des Neuen Netzes wurden weitere Wagen ausgesondert. Anzutreffen sind sie seither nur noch auf der Linie 8 sowie teilweise auf der 2. Im Abend- und Wochenendverkehr sind sie kaum noch unterwegs. Seit dem 21.06.2006 sin diese aus dem Stadtbild verschwunden. Besonderheiten
Ab 1979 wurde die Bestuhlung geändert: sowohl Trieb- als auch Beiwagen erhielten auf der rechten Seite Doppelsitze anstelle der üblichen Einzelsitze.
Ein Beiwagen bekam 1986 zwei Türen auf der linken Seite. Er konnte zwischen zwei Triebwagen gehängt werden und ermöglichte den Betrieb eines Zweirichtungszuges im Baustellenbetrieb. 1993 wurde der Einzelgänger verschrottet. Aber auch heute noch kuppeln die LVB für Pendelfahrten bisweilen Triebwagen Rücken an Rücken.
Einige Wagen leben als Dienstfahrzeuge weiter. Einem wurde gar das Dach abgeschnitten; als “Offener Leipziger” unternimmt er Stadtrundfahrten und erfreut sich großer Beliebtheit Merkmale
Die heute noch eingesetzten T4D haben ihr beiges Farbkleid verloren, das ihnen den Namen “die Blonden” einbrachte. Sie tragen nun die neuen LVB-Farben blau/gelb, oder Ganzreklame. Dennoch sind sie leicht von den modernisierten Wagen zu unterscheiden: Vorne besitzen sie runde Scheinwerfer sowie eine sehr kleine Öffnung für das Zielschild. Seitlich fallen besonders die Schiebefenster ins Auge. Die modernisierten T4Dm haben hingegen Lüftungsklappen.
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