Modernisierter Tatra T4D-M (Typ 33c, d, e)
Geschrieben von: Gerhard Rieskamp   

Der Fall der Mauer 1989 brachte viele Veränderungen. Auch die Ansprüche wuchsen, und denen wurde die Tatra-Flotte nicht mehr gerecht. Andererseits waren viele Wagen erst wenige Jahre alt, an Ersatz war nicht zu denken. So beschlossen die LVB bereits 1991, ihre Tatras zu modernisieren. Mit ausschlaggebend dafür war ein neues Bundesgesetz, das erstmals Fördermittel für die Modernisierung von Straßenbahnwagen in Aussicht stellte. bis 1998 modernisierten die LVB 167 Triebwagen in zwei Serien sowie 45 Beiwagen. Dabei wählte man nur die neueren Fahrzeuge aus, die eine lange Lebensdauer erwarten ließen. Die Arbeiten erfolgten in der Hauptwerkstatt Heiterblick: so sicherte man Arbeitsplätze und sparte Geld.

 

Technik

Der Modernisierung lag ein Lastenheft zugrunde, dass die Firma LHB kurz nach der Wende erstellt hatte. In Leipzig reduzierte man den Aufwand deutlich, um die Kosten im Rahmen zu halten: Die LVB richteten den Blick auf den Fahrgastkomfort und die Senkung der Betriebskosten.

Die Wagen erhielten eine völlig neue Inneneinrichtung. Die Fahrerkabine wurde verbessert und erhielt eine Klimaanlage. Der Fahrgastraum präsentierte sich nun in dunklem grau-braun. Dieses Design der frühen 80er Jahre konnte schon damals nicht so recht überzeugen. Das haben die LVB erkannt und frischen die Wagen jetzt nach und nach auf, in hellgrau und blau (Foto weiter unten).

Vorne fallen die großen Zielschildkästen auf, sie sind jetzt viel besser lesbar. Die Fenster wurden ebenfalls ersetzt, die alten Falttüren behielt man aber bei. Die Fahrzeuge bekamen außerdem einen Heckfahrschalter, der Rückwärtsfahrten ohne Rangierer ermöglicht.

Die größte Änderung betrifft die Stromversorgung: Die zahlreichen Verbraucher wie Licht, Bremsen oder Heizung bekamen bisher ihren Strom aus einem rotierenden Umformer. Der brauchte viel Wartung und fiel dennoch gerne mal aus. Nun wird der Strom auf elektronischem Wege umgeformt. Der statische Umformer sitzt unter der auffälligen Haube auf dem Dach. Gleichzeitig ersetzte man auch die Fahrmotorlüfter, was den Wagen deutlich leiser macht.

Auch der Beschleuniger musste dringend ersetzt werden. Die LVB entschieden sich für einen modernen IGBT-Chopper, der die Fahrmotoren wartungsarm und sparsam mit Strom versorgt. Der Umbau erfolgte erst einige Jahre nach der Modernisierung.

Die Drehgestelle erhielten neue Rahmen und Räder sowie eine Primärfederung (Feder zwischen Rahmen und Achse).

Die zweite Modernisierungsserie über 70 Fahrzeuge wurde deutlich abgespeckt. Die Führerstands-Klimatisierung entfiel, und bei den Drehgestellen blieb alles beim alten. Auf die statischen Umformer verzichtete man ebenfalls. Die Wagen laufen in der Regel hinter einem Fahrzeug der ersten Serie, und werden von diesem mitversorgt. Neun Wagen erhielten einen kleineren Umformer, der allerdings kein weiteres Fahrzeug mitversorgen kann. Auch die lärmenden Lüfter der Fahrmotoren blieben unverändert.

 

Reihung

Die Modernisierten treten in allen Reihungen auf wie die alten T4D, also vom Solowagen bis zum Großzug. Sie sind mit den alten Wagen zwar mechanisch kuppelbar, im Betrieb ist eine Mischung aber nicht möglich. Die Wagen der ersten Serie laufen in der Regel vorne, die der zweiten Serie hinten. Seit Oktober 2000 kommen auch die neuen Niederflur-Beiwagen in den Tatra-Großzügen zum Einsatz.

 

Einsatz

Die Modernisierten kamen zunächst auf den Ost-West-Strecken zum Einsatz, also auf den alten Linien 3, 4, 6, 15, und 17. Seit Einführung des "Neuen Netzes" im Mai 2001 sind sie auch auf dem Nord-Süd-Ast anzutreffen, wo sie früher nur seltene Gäste waren. Sie fahren heute die Linien 3, 7, 11, 11E, 14 und 15 sowie teilweise auf der 9.

 

Merkmale

Anfangs erhielten die Wagen eine blasse blau-beige Lackierung. Das brachte ihnen den Namen “die Blauen” ein. Mittlerweile kommen sie immer öfter im neuen blau/gelben Einheitskleid der LVB daher. Von den nicht-modernisierten T4D sind sie leicht an dem Zielschildkasten, den eckigen Scheinwerfern und den Fenstern mit Lüftungsklappen zu unterscheiden. Die erste Modernisierungsserie wird durch den Kasten auf dem Dach charakterisiert, die zweite Serie hat hingegen große Lüfterlamellen auf der linken Seite.

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