|
Mitte der 80er Jahre präsentierte CKD in Prag endlich einen modernen Nachfolger des alten T4D. Von außen zeigte er sich in einem auffällig eckigen Wagenkasten, und auch die Technik bot Neues: Der Beschleuniger wurde durch Thyristoren ersetzt, die die Fahrmotoren sparsam und wartungsarm mit Strom versorgen. Die ersten Fahrzeuge des neuen Typs kamen nach Dresden. Aber auch die LVB zeigten Interesse: Zum einen brauchten sie neue Fahrzeuge, zum anderen planten sie, auch die T4D auf Thyristoren umzurüsten. Mit dem T6A2 wollten sie die nötige Erfahrung sammeln.
Zwar hofften die LVB immer noch auf den von CKD angekündigten Gelenkzug, aber dessen Erscheinen war nach wie vor nicht abzusehen. So entschloss man sich zum Kauf des T6A2. Von 1988 bis 1991 kamen 28 Triebwagen und 14 Beiwagen nach Leipzig. Dann endete die Beschaffung von Straßenbahnen aus Prag: Dank des Mauerfalls konnte man fortan im Westen einkaufen. Die T6A2 blieben eine Splittergattung. Technik
Der T6A2 ist ein vierachsiger Drehgestellwagen, genau wie der T4D. Da er auch als dessen Nachfolger geplant war, behielt man die Hauptabmessungen bei. Der eckige Wagenkasten, der den Zügen den Namen “die Eckigen” einbrachte, wirkte deutlich zeitgemäßer als sein Vorgänger. Die Fahrgäste schätzen besonders die großen Panoramascheiben. Im Innenraum zeigte er sich aber ebenso spartanisch, wie man es von Tatrawagen kennt. So tauschten die LVB schon bald nach Ablieferung zumindest die Sitze aus, und installierten ein modernes Fahrgastinformationssystem.
Technische Besonderheit war der Thyristor: Der Strom für die Fahrmotoren wird auf elektronischem Wege geregelt; der Beschleuniger, stromfressend und wartungsaufwändig, konnte entfallen. Auch die Versorgung des Bordnetzes übernahm ein Thyristor.
Neu war auch der Heckfahrschalter. Der Fahrer kann den Wagen bei Rückwärtsfahrt hinten steuern, ein Rangierer wird nicht mehr gebraucht.
Ansonsten fand man auch viel bewährte Technik in den neuen Wagen. Die Drehgestelle stammten fast unverändert vom T4D - die Konstruktion war schon über ein halbes Jahrhundert alt! Bereits 1993 bauten die LVB neue Drehgestellrahmen ein.
Splittergattungen haben bekanntlich ein unsicheres Leben. Was mit den “Eckigen” geschieht, ist ungewiss. Es ist bezeichnend, dass die LVB ihnen keine Modernisierung gönnten, obwohl sie das nötig hätten. Bei der letzten Hauptuntersuchung wurde nicht geklotzt, sondern gekleckert - übrigens auch im wörtlichen Sinne. Für ein neues Farbkleid hat es gerade noch gereicht, der Innenraum zeigt sich aber unattraktiv wie eh und je. Immerhin haben die Beiwagen jüngst eine Innenraum-Auffrischung und neue Fenster erhalten. Reihung
Für den T6A2 gilt das gleiche wie für die alten Tatras: Aus Triebwagen und Beiwagen werden verschiedene Kombinationen zusammengestellt. Das reicht vom Solowagen bis zum Großzug (Zwei Triebwagen und ein Beiwagen). Mit anderen Typen sind sie nicht kuppelbar. Einsatz
Die ersten Wagen traten ab 1990 ihren Dienst an: zunächst auf der Linie 21, dann schwerpunktmäßig auf der 16. Der Grund war einfach: In Wiederitzsch musste über ein Gleisdreieck gewendet werden. Dank des Rückfahrschalters der neuen Wagen war der Rangierer entbehrlich. Mit Erscheinen der Niederflurzüge wechselten sie auf die Linien 3 und 4. Wieder war ein Gleisdreieck der Grund, diesmal in Knautkleeberg. Nach langjährigen Einsätzen auf den alten Linien 15 und 17 sind sie nun auf der 1 zu Hause. Merkmale
Der erste T6A2 erschien in weiß/rot und präsentierte sich auf der Messe in Brünn. Die Serie kam bereits in den LVB-Farben blau/beige nach Leipzig, der erste Wagen wurde ihnen angeglichen. Mittlerweile haben sie auch dieses Farbkleid wieder verloren und fahren im neuen blau/gelb. Besonderheiten
Die ersten beiden Wagen waren für Stadtrundfahrten bestimmt. Sie erhielten eine besondere Einrichtung mit Polstersitzen, Teppichboden und Beschallungsanlage. Von Außen waren sie an der Aufschrift Lipsia-Tours zu erkennen. Doch es blieb beim Versuch: die Stadtrundfahrten wurden kein Erfolg, die LVB passten die Wagen ab 1992 wieder der Serie an.
|